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Gamsräude – wie man
sie erkennt
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Gamsräude – seit Jahrzehnten geistert das
Schreckgespenst dieser Seuche durch die Bergreviere. Was kann man
gegen sie tun? Wo tritt sie auf? Wen befällt sie? – Kürzlich ist im
Österreichischen Jagd- und Fischerei-Verlag ein Buch erschienen, das
diese gefürchtete Krankheit von allen Seiten beleuchtet.
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Die äußerlich sichtbaren Merkmale, wie
Schuppen- und Krustenbildung sowie Verletzungen infolge des Kratzens
und Scheuerns, treten erst wenige Wochen vor dem Verenden des
befallenen Gams auf. Es gibt auch zahlreiche andere parasitäre
Erkrankungen beim Gamswild, welche dieselben Symptome wie bei einem
Räudebefall hervorrufen. Dazu zählen der Befall mit Haarlingen,
Herbstgrasmilben und Lausfliegen, die ebenfalls starken Juckreiz
bewirken und das Stück zu unruhigem Verhalten und ständigem Kratzen
veranlassen. Es ist auch beim Haarwechsel im Frühjahr äußerste
Vorsicht geboten, da die struppige Decke nur schwer von einer
verräudeten Decke zu unterscheiden ist.
Der Jäger sollte immer ein Spektiv verwenden, wenn er ein Gamsrudel
beobachtet. Ein abseits stehendes Stück ist schon einmal verdächtig.
Es könnte sich natürlich um eine Geltgais handeln, aber auch kranke
Tiere werden aus dem Rudelverband verdrängt.
Im Frühstadium zeigt ein räudiger Gams eine struppige Decke. Im
Sommer erscheint sie häufig dunkler als bei einem gesunden Stück, im
Winter erreicht sie aber niemals die beinahe schwarze Färbung. Ein
Räudegams schüttelt sich verhältnismäßig oft – sehr gerne zum
Beispiel nach dem Hochwerden – und zeigt insgesamt ein unruhiges
Verhalten. Bei jeder Gelegenheit kratzt er sich mit der Krucke oder
mit den Schalen, scheuert bei Felsen und Bäumen und beißt seine
Decke mit dem Äser. In einem fortgeschrittenen Stadium
machen die Stücke einen müden, apathischen Eindruck, scheuern sich
aber immer noch häufig. Die Decke weist in dieser Phase bereits
viele Risse und Schürfwunden auf, wird schuppig und macht sehr viele
Falten. Der Gams schüttelt sich nicht mehr, da dies mit
größten Schmerzen verbunden ist. Meist erkennt man zu dieser Zeit
schon an einzelnen Körperstellen Haarausfall und Borkenbildung. Sobald die Läufe, der Brustkern und die
Bauch-Innenseite befallen sind, zieht der Gams nur noch langsam und
vorsichtig, da ihm jeder Schritt Schmerzen bereitet. Dies kann man
jedoch nur beobachten, solange das Stück den Menschen noch nicht in
den Wind bekommen hat, andernfalls flüchtet es genauso schnell, wie
jedes gesunde Wild. Es kommt auch öfters vor, daß bei einer
führenden Gais die ersten Räudemerkmale schon sichtbar sind, während
ihr Kitz noch keinerlei Veränderungen aufweist. In so einem Fall
müssen trotzdem unbedingt beide Stücke – zuerst das Kitz, dann die
Gais – erlegt werden, da die Gais ihr Kitz längst angesteckt hat. |
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Fotos: Landesjagdaufseher
Walter Rienzner |
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Man darf sich auch nicht darauf verlassen, daß bei jeder Gais die
ersten Veränderungen am Bauch und an den Lauf-Innenseiten und bei
jedem Bock an den Flanken, auf der Brust und auf dem Träger
auftreten, da sie sich nicht nur in der Brunft beim Beschlagen,
sondern bei jedem beliebigen Körperkontakt anstecken können. Auch
bei den Kitzen müssen die Räudemerkmale nicht zwingend am Haupt und
am Träger auftreten, da es mit der Gais nicht nur beim Säugen einen
innigen Körperkontakt pflegt. Außerdem könnte es sich auch jederzeit
beim Spielen mit anderen Kitzen Milben einfangen. |
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In jedem Fall muß sich der Jäger viel Zeit nehmen und jedes Stück
einzeln beobachten. Wünschenswert wäre es vor allem auch, wenn er dem
Gamswild auch außerhalb der Schußzeit mehr Aufmerksamkeit schenken
würde, da er gerade zu dieser Zeit in Räudegebieten so manchen
Milbenüberträger zur Strecke bringen könnte, vielleicht, bevor noch das
ganze Rudel angesteckt ist.
Übertragung auf Mensch und Hund Sarcoptes-Milben können sich unter
normalen Umständen nur auf einer Tiergattung oder -familie vermehren und
somit auch nur dort eine echte Räude verursachen.
Die einzelnen Sarcoptes-Arten können zwar auf fremde Wirte überwechseln
und bei diesen auch mehr oder weniger ausgeprägte Anzeichen einer
Erkrankung
hervorrufen, sie können sich dort aber nicht vermehren bzw.
dauerhaft ansiedeln, da sie in der Haut des fremden Wirtes keine
entsprechenden Lebensbedingungen vorfinden. Auch der Mensch hat seine
eigene Grabmilbenart, Sarcoptes scabiei, welche für die sogenannte
Scabies oder Krätze – in der Humanmedizin ist die Bezeichnung „Räude“
nicht gebräuchlich – verantwortlich ist. In Räudegebieten geschieht es
immer wieder, daß Jäger, die mit verräudeten Stücken in Berührung
gekommen sind, über räudeähnliche Krankheitserscheinungen klagen.
Bei einem Befall mit Sarcoptes-Milben tritt ein starker Juckreiz,
verbunden mit einer Rötung der Haut sowie der Bildung von Bläschen
und Pusteln auf. Bei diesen Krankheitsanzeichen handelt es sich um
eine sogenannte Scheinräude oder Pseudoscabies, welche nach 14 bis 24 Tagen
wieder abklingt. Solche Scheinräuden werden vielfach durch hinzukommende
bakterielle Infektionen und allergische Reaktionen verschlimmert und
täuschen dadurch eine echte Räude vor oder bewirken, daß die
Hautveränderungen erst 3 bis 4 Wochen nach dem Absterben der Milben
abheilen. |
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Foto:
Landesjagdaufseher Walter Rienzner |
Es kann natürlich in der Folge in
eine Nesselsucht übergehen, wobei der ganze Körper mit Pusteln und
juckenden, immer wieder aufbrechenden Bläschen übersät ist. Obwohl auch dies bald überstanden ist, sollte
jeder Jäger doch mit einer gewissen Vorsicht bei der Versorgung eines
erlegten oder verendet gefundenen Räudegams vorgehen, um eine Ansteckung
mit dieser für den Menschen zwar ungefährlichen, aber doch unangenehmen Parasitose zu vermeiden.
Auch für den treuen Revierbegleiter, den Jagdhund, ist die
Gamsräudemilbe ungefährlich, da der Hund nicht zu den Wirtstieren dieser
Milbenart gehört. Infiziert werden kann der Jagdhund allerdings von der
Fuchsräude, weil beide – Fuchs und Hund – von derselben Milbenart
befallen werden. In Revieren, wo die Fuchsräude wütet, sollte der Jäger
sich dieser Tatsache stets bewußt sein ...Auszug aus dem Buch „Gamsräude“ von Dip,–Ing.
Elisabeth Schaschl - (Homepage: jagd.at) |
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