Bericht 117: Die herrlichste Gamsbockjagd seit zehn Jahren Langgruben/Gaisjoch

Da bereits seit fünf Sonntagen schlecht Wetter war,  und der November dahin rann, der zugeteilte Gamsbock immer noch im Hegering stand, beschloss ich diesmal Samstag und Sonntag aufzusteigen um es zu versuchen. Wir wollten die ersten sein, aber um halb sechs leuchtete bereits unterm Gipfel der Lampenschein eines Hahnjägers herunter. Beim ersten Tageslicht leuchteten wir den Hang ab und sahen im Halbdunkel bereits einige einzelne Gams in den verschiedenen Lagen, aber zum Ansprechen war es noch zu Früh. Der Steig entlang zur entlegen Jagdhütte, war teilweise mit Schnee bedeckt aber trotzdem gut zu begehen. Bereits nach 100 Metern sprangen die ersten Gamsen ab, unter uns Geis mit Kitz, ein junger Bock folgte diesen. Auch oben tat sich etwas. Hinter Geäst erspähten wir einen Bock, konnten ihn aber nicht ansprechen, da er immer verdeckt war. Dieser Anfang war vielversprechend und wie aus einem Bilderbuch ging es forthin von statten. Von oben kam ein weiterer Bock und jagte diesen talaus- talein. Man hörte das Blädern, als ob es vor, über und nach uns wäre. Weitere Brunftlaut kam uns von schräg oben über im fast nackten Bergwald entgegen. An der Kante rechts oben kam ein Rudel herunter gerannt und floh dann über uns nach links, hielt aber bald still. Geissen mit Kitzen, Jährlinge und junge Geissen. Die Böcke hörte man zwar Blädern bekam sie aber nicht in Sicht. Die Ursache für dieses Anlassen, bekamen wir bald zu Sicht, als oben am Horizont der Hahnjäger talauswärts strich, herunterschaute und sich zurückzog. Wir beschlossen weiterzusteigen Richtung Jagdhütte und immer wieder wurden wir von treibenden Böcken zum Einhalt gezwungen um sie anzusprechen. Es waren durchwegs gute Böcke, aber alle nur zirka 3-4 jährig. Vor der Jagdhütte standen einige zweijährige auf dem Steig und wollten nicht abspringen. Einer lies uns starr bis auf zwanzig Meter offen herangehen um dann gemütlich ein wenig hinunterzuspringen. Bei der Hütte angekommen, war eine kleine Gruppe im Graben, ein Bock lag dort, sprang aber urplötzlich auf und eilte über uns in den Hang. Auf der anderen Seite der Hütte verfolgte einer seinen Rivalen talauswärts, beide aber eher jung.

 

Das blähern der Böcke hörte man von oben und von mehreren Gräben. Also stiegen wir geradewegs auf und nach hundert Höhenmetern mussten wir uns niedertun um alles abzuleuchten. Überall waren Gemsen und was interessant war, viele Böcke. Einige jungen verfolgten sich über Fels und Schnee, Rinnen und Schneisen. Links über uns auf 200 Meter waren vier Böcke, einer beschlug eine Geis und tat sich darauf nieder. Alles drei bis vierjährige. Der nieder getane lies sich nicht ansprechen, doch das Alter entsprach den anderen. Direkt über uns aus einem Felsen über einer gefährlichen Rinne stand ein weiterer. Rechts oben talauswärts sprangen sich zwei nach, beide waren gut, entschwanden aber unseren Blicken. So eine Brunft im Schneegewirr der Felsen mit so vielen Gemsen und Böcken hatte ich seit vielen Jahren nicht mehr beobachten können. Der heilige Hubertus hat es gut mit uns gemeint, Schnee, Sonnenschein und dieser Anblick. Und das schönste kam noch wie es über uns steinelte, denn zirka 200 Meter über uns stand ein Bock mit einer jungen Geis. Nachdem ihn mein Freund Florian angesprochen hatte und mir nur zurief, dass dies der beste war, den wir heute zu Ansicht bekommen hatten und er ihn auf ein gutes Alter zuordnete, musste ich mich beeilen, da sie herunterschauten und weiterziehen wollten. Ich warf mich neben Florian in den Schnee, den Rucksack als Auflage, das Fadenkreuz das Blatt suchend, musste ich noch abwarten dass er beim Weiterziehen innehielt. Bei einer Grabenkante angekommen, verhoffte er und ich ließ die Kugel fliegen. Er zeichnete und bald war alles vorbei. Beim Bock angekommen konnten wir uns nur noch freuen, alles passte, ein guter Bock, ein herrlicher Tag, eine herrliche Jagd.

 

Weidmannsdank

                                                                                              Bericht und Fotos:  Hansjörg Summerer,  Revier Mühlbach

 

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