Bericht 99: Jagd mit Emotionen  
 Guter Hoffnung starteten Uli und ich gegen 06.15 Uhr um bei Tageslicht auf unsern Posten zu gelangen.
Gestärkt durch das obligate Frühstück fuhren wir mit dem Auto auf die Galerie. Nach kurzer Kontrolle ob Alles auf Mann war, nahmen wir den 20 Min. Fussmarsch zum Posten in Angriff.
Wir konnten uns Zeit lassen, denn ich wollte das letzte Stück hinauf zum Posten im Tageslicht hinauf pirschen.
Uli der meinen Terrier Zicco an der Leine führte, blieb jeweils ein paar Meter zurück. Sollte Wild abspringen wollte ich ungestört sein, schon oft äste Rotwild oder Gämsen nahe beim Posten.
Heute konnte ich kein Haar sehen, also schlüpften wir gleich in den Posten der Platz für zwei Mann bot.
Wie immer wenn Uli mit war teilten wir uns das Gebiet auf, jeder glaste seinen Teil ab. Anblick hatten wir  vorerst keinen. Fast gleichzeitig sichteten wir gegen 08.00 Uhr ein Rotwild das den Hang herunter wechselte. Müssen wir ziehen lassen meinte ich zum Uli, der Spiesser war eindeutig zu Groß. Da ich ja meinen Hirsch am ersten Tag bereits erlegen durfte.
Kurz bevor er jedoch in den schmalen Waldstreifen wechselte, meinte ich kurze Augsprossen gesehen zu haben, schnell richtete ich mein Fernrohr auf die Gegenseite des Waldes, schon trat er aus. Langsam, jedoch das Haupt von uns abgewendet äste der junge Hirsch den Hang aufwärts, nochmals meinte ich eine Augsprosse gesehen zu haben.
Da Uli ein erfahrener Jäger ist und mein vollstes Vertrauen hatte, sollte er den Stier durch das Spektiv beobachten und mir bestätigen wenn wirklich Augsprossen vorhanden waren.
Immer näher kam er dem Wald, dreh doch bitte nur einmal Deinen Grind auf eine oder die andere Seite dachte ich.
Jetzt drehte er sich nach links weg, der hat Augsprossen bestätigte mir Uli.
Da ich bereits das Absehen meines Zielfernrohres hinter Blatt hatte, lies ich fliegen. Nach einer Flucht vorwärts konnte ich das beschossene Stück nicht mehr sehen, Sekundenbruchteile nachher wechselte der Hirsch wieder zurück in den kleinen Waldstreifen wo er vor ein paar Minuten austrat. Stille nichts mehr war zu vernehmen.
Uli wünschte mir Waidmannsheil, ich war mir der Sache weniger Sicher. Als sich der Schuss löste war der Hirsch in Bewegung, also abwarten.
Die Entfernung war Ideal, ca 170 m, normal sollte das Stück im Feuer liegen, Zweifel kam auf. Ich hatte meinen Blaser R 93 auf 170m auf  10ner hoch eingeschossen, warum lag das Stück nicht? Schleichend verstrich eine gute halbe Stunde.
Uli versuchte mich immer wieder zu beruhigen, er sei sicher das ich getroffen hätte.
Also wenn dass so ist, meinte ich zu Ihm, gehen wir doch nachschauen.
Da der Hirsch gerade mal 170m ob uns lag, nahmen wir nur das Nötigste mit, Büchse und Messer. Ohne Eile stiegen wir samt Zicco den Hang hoch, als wir noch etwa 70 m vom Anschuss entfernt waren, bestätigte sich mein Zweifel. Das kranke Stück wechselte den Hang aufwärts, in der Überraschung muss ich wohl verzogen haben. Der Tiefgabler verschwand hinter der Kuppe.
Dennoch untersuchte ich den Anschuss, ausser den Eingriffen war nichts zu sehen. Zicco zog in Richtung Waldstreifen, kurz vor den ersten Bäumen verwies er mir Schweiss, im Wald dann das Wundbett.
Wir waren zu früh aufgebrochen, dass war uns jetzt klar.
Nach der zweiten Anschusstelle  war der Schweiss noch mehr, weit konnte der nicht mehr sein. Wenn wir nun schon soweit seien, wollte ich ebenfalls über die Kuppe. Jede Menge Schweiss, der Gabler lag aber nicht.
Ab diesem Zeitpunkt muss der Zweifel in mir wohl jegliches Wissen ausgelöscht haben. Immer wieder legten wir Pausen ein und zogen dann dem kranken Hirsch nach. Anstatt Ihn im Wundbett zu lassen und die obligaten 4 Std Wartezeit verstreichen zu lassen, trieben wir das kranke Stück von uns weg.
Kam noch dazu, dass ich jetzt noch anfing am Zicco herum zu Zweifeln, denn der Schweiss wurde immer spärlicher, als dieser dann noch geradewegs in einen Dachsbau zog, war der Glaube an meinen Hund wohl zu 80 Protzend weg. Nochmals versuchte ich Zicco am letzten Schweiss anzusetzen, ohne zu Zögern zog er wieder Richtung Dachsbau und folgte jetzt wieder der Verwund Spur.Immer Bergwärts einen Wildwechsel hoch, kein Schweiss mehr, nirgends ein Wundbett. Nach einer ganzen Weile kamen wir auf einen Wanderweg, auf diesem Weg zog Zicco wieder Tal einwärts. Wieder stiegen in mir Zweifel hoch, er führte mich durch einen Graben, immer noch auf dem Wanderweg. Schweiss hatten wir den letzten noch vor dem Dachsbau gefunden, dass waren jetzt wohl an die 500 m, dass konnte ja wohl nicht sein, sagte ich zum Uli. In Gedanken hatte ich die Nachsuche wohl schon abgebrochen, um beim Wildhüter ein Nachsuche Gespann anzufordern. Da wollte Zicco rechtswinklig vom Wanderweg Bergwärts ziehen.
An dieser Stelle nahm ich meinen Hund von der Spur weg und fragte beim Wildhüter ob ein Nachsuchegespann frei wäre.
Der Wildhüter bot mir an, dass Er mit seinem HS am Nachmittag Zeit hätte, jedoch müsste ich warten bis er um 14.00 Uhr frei wäre.
Inzwischen war es schon 13.00 Uhr also machte eine Stunde mehr ebenfalls nichts mehr aus.
Um 14.30 Uhr traf dann der Wildhüter an der vereinbarten Stelle ein.
Nach kurzer Aufklärung was bis anhin passiert sei, führten wir das Nachsuchegespann zum letzten gefundenen Schweiss.
Nach kurzer Vorbereitung, nahm der HS nun die Verwundspur  auf. Über den Dachsbau hinaus, den Wildwechsel hoch zum Wanderweg, diesem folgend durch den Graben. Jeden Meter der nun folgte, machte ich mir grösste Vorwürfe, dass ich dem Zicco nicht mehr glaubte, als wir dann den Winkel erreichten wo Zicco rechtswinklig hoch ziehen wollte war ich mir sicher dass ich meinen Hund wohl aufs tiefste gekränkt hatte. Keine 100 m nach dem Winkel meinte der Hundeführer, schau da vorne liegt dein Freund.
Der Hirsch kam hoch und flüchtete schräg talabwärts, eine weitere Möglichkeit war vertan.
Also weiter, der BGS führte uns neben meinem Posten vorbei immer Tal einwärts.
Als wir auf der Flurstrasse ankamen meinte der Hundeführer, dass ihm im Graben vor meinem Posten eine Veränderung bei seinem Partner aufgefallen sei, so dass er gerne nochmals an diese Stelle gehen möchte.
Ich  sagte zu Ihm dass ich, obwohl ich langsam aber sicher auf den Felgen laufen würde, an jeden Ort kommen würde um den Kranken Hirsch zu erlösen.
Über Handy konnte ich den Uli erreichen, der uns mit dem Auto abholen konnte. Also nochmals hoch zum Posten.
Der Hund wurde geschnallt, er durchquerte den Gaben über einen Wildwechsel.
Doch auf der andern Seite wendete er und lief zurück in unsere Richtung.
Mitten im Graben stach er jedoch noch Oben, nach 30 m fing er an den Hirsch zu verbellen.
Jetzt stieg ein gutes Gefühl in mir hoch, sicherheitshalber  legte ich eine Patrone ein und schloss den Verschluss.
Ruhig stieg der Hundeführer hoch und konnte dem kranken Stück  endlich  den Fangschuss anbringen.
Als das Stück aus dem Gebüsch heraus fiel, löste sich die Anspannung in mir, Tränen der Freude liefen über, endlich war das Leiden beendet.
Inzwischen war es 18.00 Uhr geworden.
Der Tiefgabler hatte einen Weichschuss, die Zweite Kugel hatte ihn am hinteren rechten Schlegel gestreift.
Somit war auch klar warum auf einmal kein Schweiss mehr gefunden wurde. Der Weichschuss wurde vom Eingeweide abgedichtet und der Streifschuss hatte keine wichtigen Adern verletzt.
Aufgebrochen wog das Stück im zweiten Kopf gerade einmal 55 Kg.
Die Bergung Talabwärts war recht einfach.
Dem Nachsuchegespann Waidmannsdank.
Dem Zicco hab ich versprochen, dass ich mit ihm mehr trainieren, so dass ich Ihn auf der Verwundfährte besser lesen kann.

 Allen Beteiligten nochmals Waidmannsdank.

 

                                                                                                                           Bericht und Fotos: Kari Schmid  
 

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