|
Am
Samstagmorgen, 15. Mai war ich um 4.30 Uhr mit meinem Vater
verabredet, um gemeinsam auf den Schlanderser Sonnenberg zu
fahren und dort unser Glück bei der Rotwildjagd zu versuchen. Da
heuer durch die recht widrigen Wetterbedingungen im Mai die
Vegetation im „Hochberg“ noch nicht so weit fortgeschritten ist,
sucht das Rotwild verständlicher Weise vermehrt die Mähwiesen
der Bergbauern auf. Da es mitunter hier und dort doch zu
Wildschäden kommt, wollten wir versuchen in den Wiesen ein Stück
Rotwild zu erlegen, um den Bauern auch den Willen der Jäger zu
zeigen, etwas gegen die Wildschäden zu unternehmen. Jeder der
eine solche „Wiesenjagd“ erlebt hat, weis dass dies kein
einfaches Unterfangen ist. Das Rotwild ist ja sehr scheu und so
wie ich es in den vergangenen Jahren miterlebt habe, sehr
lernfähig. Kaum bricht der Tag an, so sind kaum mehr Stücke in
den Wiesen anzutreffen, denn sie haben schon vor Morgengrauen
den Rückzug in den schützenden Wald angetreten. Trotzdem wollten
wir nichts unversucht lassen und kamen gegen 5 Uhr auf dem
Berghof „Forra“ an. Es wurde so langsam heller und wir suchten
mit dem Fernglas die Wiesen nach Rotwild ab. Einige Stücke
konnten wir bereits oberhalb der Wiesen beim Rückzug in den Wald
erkennen, aber einige Stücke ästen noch recht ruhig in Mitten
der Wiesen. Da in diesen Wiesen heuer noch kein Abschuss
getätigt wurde war das Rotwild scheinbar noch recht zutraulich.
Wir versuchten etwas abseits der Wiese bis zu einer alten Lärche
zu gelangen um dort ein wenig Deckung zu haben und dann von dort
die Stücke anzusprechen. Wenige Minuten später waren wir bei dem
Baum angelangt und richteten uns dort ein. Es waren noch 6 Stück
Rotwild in Schussweite und wir konnten 3 Tiere und
3 Schmaltiere ansprechen. Da ich heuer schon einen Abschuss
getätigt hatte, gab ich meinem Vater den Vorrang und er sollte
ein Schmaltier erlegen. Er richtete sich eine gute Auflage für
seine Blaser 7 mm Rem. und als das schwächste Stück Blatt zu uns
stand krachte der Schuss und das Schmaltier lang am Anschuss im
Feuer. Die restlichen Stücke flüchteten ca. 100 Meter weiter,
verharrten dort dann kurz und äugten gespannt umher. Diese Zeit
nutzte ich um mich mit meinem Gewehr einzurichten und wenige
Augenblicke später hallte der zweite Schuss über die Wiesen. Das
beschossene Schmaltier zeichnete stark, flüchtete mit den
anderen Stücken, blieb dann aber zurück und tat in mitten der
Wiese nieder. Die Vermutung eines Weichschusses lag für uns
beide sehr nahe und so beschlossen wir erstmal abzuwarten.
Ständig beobachteten
wir
das beschossene Schmaltier und es ergab für uns beide nicht den
Anschein als würde es bald im Wundbett verenden, deshalb
beschlossen wir, dass ich an unserem Ort bleibe und die
Situation beobachte. Mein Vater hingegen versuchte sich ein
wenig dem Schmaltier zu nähern und nach wenigen Minuten konnte
er endlich das Stück erlösen und den Fangschuss anbringen. Mir
fiel ein Stein vom Herzen als ich den Fangschuss hörte und somit
das Schmaltier vom Leiden erlöst wurde. Ich packte meine Sachen
zusammen und ging zu meinem Vater der vor dem erlegten Stück
stand und meinen Schuss begutachtete. Unsere Vermutung wurde
bestätigt, leider hatte ich das Stück „weich“ getroffen und
deshalb begannen wir unverzüglich mit der Roten Arbeit. Zuerst
aber wünschte mir mein Vater ein herzliches Weidmannsheil.
Danach gingen wir zum erlegten Schmaltier meines Vaters, das ca.
100 Meter weiter am Anschuss lag. Dort wünschte ich ihm dann ein
Weidmannsheil. Es war das erste mal, dass und miteinander
jeweils ein Abschuss gelungen ist. Wir brachen das Stück auf und
bargen die beiden Schmaltiere. Als wir am „Forrahof“ angekommen
waren, wartete bereits die Bäuerin auf uns und sie zeigte sich
sehr erfreut über die beiden Abschüsse und wünschte uns ein
Weidmannsheil. Sie zeigte sich verständlich, dass das Rotwild
derzeit verstärkt zur Äsungsaufnahme die Wiesen aufsucht, aber
solange sich die Wildschäden im Rahmen halten und die Jäger
bemüht sind etwas dagegen zu unternehmen wird man das Wild auf
den Berghöfen auch akzeptieren. Anschließend verstauten wir
alles in unserem Auto und fuhren zurück ins Dorf zur Kühlzelle.
Dort erledigten wir die restlichen Arbeiten und kehrten dann
zufrieden über die geglückten Abschüsse in den Bergwiesen nach
Hause zurück. Die Schmaltiere brachten 27,5 kg (Schmaltier
meines Vaters) und 34 kg (mein Schmaltier) auf die Waage.
Weidmannsheil
Bericht und Fotos:
Höllrigl Martin – Jagdrevier Schlanders |