Bericht 14: Ein Abend mit zwei Freibeuter

 

Nachdem meine Durststrecke in Bezug auf Raubwild nun schon seit Ende Oktober andauerte nutzte ich jede Gelegenheit um mich den roten Gesellen nachzustellen. In der Regel blieb unsere Gegend von Nebel weitgehend verschont, nur im Herbst gab es manchmal einige Tage an denen  im Revier nichts anzufangen war.

Es ist der 25.Jänner als ich wieder einmal morgens von der Arbeit nach Hause komme und keine Zeit finde mir den wohlverdienten Schlaf zu gönnen. Meine Frau hat einen langen Einkaufszettel vorbereitet und so starten wir erneut in die Stadt. Es ist nachmittags als wir wieder nach Hause kamen und bevor ich mir einige Stunden Ruhe gönne gilt es noch einen Blick ins Internet zu machen.

Zwei Einträge bei den Jagderlebnissen im Südtiroler Jagdportal wirken auf mich derart motivierend heute Abend wieder zum Ansitz auf Raubwild zu gehen. Während ich die beiden Jagderzählungen las fielen mir immer wieder die Augen zu und so entschloss ich mich nun endgültig für einige Stunden hinzulegen die sich im Endeffekt bezahlt machten. In der Hoffnung heute ohne Nebel den Ansitz zu beginnen streifte ich mir meine wärmende Ansitzkleidung über und begab mich abends um halb sechs ins Revier. Und ich hatte Glück, heute einmal keine Spur vom Gamshüter.

 Minus 8° zeigte mein Thermometer im Auto, aber Dank meiner Kleidung sollte ich es auch bei diesen Temperaturen einige Stunden auszuhalten. Die ersten Regionen die bei solchen Temperaturen  anfangen auszukühlen sind meistens die Füße. Um dem vorzubeugen hab ich eine Methode mit der ich meine Zehen etwas länger warm halten kann, Füße warm baden gut abtrocknen und mit Babypuder einreiben, wirkt Wunder.

Nach etwa 5 Minuten Fahrt hatte ich meinen bewährten Ansitz nähe des Passes  erreicht, hab mich eingerichtet und meine Aufmerksamkeit gilt sofort der nahe gelegenen Scheune. Dort habe ich den kleinen Ast einer Haselstaude mit den Ringen die ich sonst an Hunde verfüttere bestückt. Dieses Lockmittel wird immer angenommen weshalb in meinem Kofferraum immer ein Sack mit Hundefutter zu finden ist falls einmal Mangel an Luder sein sollte.

Auch heute klappte es wieder, als nach etwa einer Stunde ein Marder von rechts aus dem Wald kam und zielstrebig die Haselstaude ansteuerte. Mein Mäuserln  ignorierte er, erst nachdem er die schneebedeckte Wiese überquert und das Hundefutter erreicht hatte fühlte er sich sicher. Während er sich an den Futterringen  zu schaffen machte war auch das Leuchtabsehen auf den dunklen Fleck im Schnee gerichtet und als ich die 222er fliegen ließ blieb der kleine Kerl am Anschuss.

Den Ansitz beenden wollte ich deshalb aber nicht, war es doch noch nicht einmal 19 Uhr weshalb ich meine Beute liegen ließ um sie nach dem abbaumen am Nachhauseweg mit zunehmen. Nachdem ich bis jetzt hervorragende Sicht hatte fing es nun an etwas trüb zu werden doch reichte das Licht allemal um etwa einen Fuchs auf hundert Meter zu erlegen. Trotz allem betrachtete ich auch immer wieder den Anschuss wo der Marder liegen sollte den ich aber nun nicht mehr sehen konnte. Feiner Schneefall hatte eingesetzt und den Marder zugeschneit und deshalb auch die etwas trübe Sicht.

Gut eineinhalb Stunden sind jetzt seit dem ersten Schuss vergangen und die – 8° waren durch die Motivation bereits ein Stück erlegt zu haben leicht auszuhalten. Jetzt fielen mir wieder die beiden Jagderlebnisse ein die ich nachmittags im Jagdportal gelesen habe und meine Motivation wurde neuerlich aufgefrischt. Während ich so in Gedanken bin und sich bei mir langsam Müdigkeit bemerkbar macht steht plötzlich so eine freche Rotjacke auf der vor mir liegenden Wiese im leuchtenden Weiß. Bis auf etwa 30 Meter ließ ich ihn herankommen bevor ich meine Büchse zum Fenster hinaus fädelte, sollte er es aushalten würde ein Schrottschuss aus meiner BBF reichen, er hat es nicht ausgehalten. Jetzt wollte er wieder zurück, nach ca. 70m fing ich an zu mäuserln dem er nicht widerstehen konnte und sofort wieder kehrt machen wollte – hat sonst noch keiner gemacht – wozu ich im aber keine Zeit mehr ließ. Meine 222er ließ ihn im weichen Pulverschnee verenden. Ich war jetzt froh das bei den Temperaturen alles relativ schnell gegangen war. Gut zweieinhalb Stunden dauerte mein Ansitz auf die zwei Freibeuter.

Meine Laune Raubwild zu bejagen war durch dieses Erlebnis wieder gestiegen. Umso mehr werden meine Rosi und ich die bevorstehenden Wellnesstage in der Steiermark genießen um mich danach wieder gut erholt meinen roten Freunden zu widmen.

Waidmann´s Heil und Grüße aus Oberösterreich               

                                                                                                             

                                                                                                    Bericht und Fotos:  Hermann Großalber,  OÖ

 

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