Wie gesagt, schießen hat auch
etwas mit Psychologie zu tun, und das Vertrauen zur Waffe darf
keinesfalls gestört sein.
Darüber hinaus sollte jeder von uns einige Male im Jahr die üblichen
DJV-Disziplinen mit seiner „Alltagswaffe“ schießen, und
diejenigen, die Drückjagd-Gelegenheiten haben, sollten einige Packungen
Patronen mit ihrer Drückjagdwaffe auf den laufenden Keiler, besser noch
im Schießkino „verbrauchen“. Man weiß dann ziemlich
genau, was man sich im Jagdbetrieb zutrauen kann und wann man besser
„den Finger gerade lässt“.
Bei uns wird zweifellos das meiste Schalenwild von Stand- oder Hochsitzen aus
erlegt. Pirsch und Drückjagd sind für viele die Ausnahme. Nun sind
ja bekanntlich längst nicht alle Stand- und Hochsitze von der
Konstruktion her gleich, und es ergeben sich ständig andere
Anschlag-Situationen. Daher hat es sich bewährt, besonders bei
unbekannten Sitzen, gleich nach Besteigen Anschlag-Übungen in alle
Schussrichtungen zu machen. Wenn es dann ernst wird, weiß man
sofort, wie man sich einrichten muss, um ruhig zu schießen.
Eventuelle Auflagehilfen für den Ellenbogen oder
ähnliches liegen dann rechtzeitig parat und können eingerichtet
werden, ohne dass es klappert oder die Anschlaghilfe gar herunter
fällt. Man mag das als Pedanterie auslegen, aber diese
Anschlag-Übungen helfen, wenn Wild überraschend anwechselt.
An oder auf großen Flächen oder an langen Schneisen, verschätzen sich
besonders (allein gelassene) Jagdgäste oft in der
Entfernung. Mit
unseren großen Optiken wird dann manchmal unverantwortlich weit
geschossen, was zu Fehl- oder Krankschüssen führt. An Schneisen helfen
Markierungspflöcke in 100, 150 und 200 Meter Entfernung, solche
Fehleinschätzungen zu vermeiden. Auf großen Freiflächen kann man dem
Jagdgast auch anhand markanter Geländepunkte Schätzungshilfen geben.
Auch wenn ich allzu viel Technik auf der Jagd nicht besonders liebe,
aber in fremden Revieren, bei der Berg- und der Auslandsjagd hat sich
mittlerweile ein Laser-Entfernungsmesser gut bewährt.
Besagte Pflöcke oder Markierungspunkte im Gelände helfen
selbstverständlich auch bei der späteren Suche nach einem
eventuellen Anschuss. Die heutige Optik und Präzision der Gewehre
verführt zum weiten Schießen. Selbstverständlich muss sich jeder
seine eigenen Grenzen selbst stecken. Wenn wir unsere Büchsen, wie
heute üblich, auf 100 Meter mit rund vier Zentimeter
Hochschusseinschießen, ist ein Treffen auf rund 200 Meter ohne
große Haltepunktveränderung mit den meisten Kalibern möglich. Im
Normalfall sollte man es meines Erachtens aber bei geringem
Schalenwild bei 150 Meter gut sein lassen, und 200 Meter
Schuss-Entfernung dürfte für die meisten, auch bei starkem Hochwild,
die obere Grenze darstellen. Ich weiß, dass teilweise im Hochgebirge
weiter geschossen wird. Aber zum einen ist die vorrangige
Anschlagart im Hochgebirge, liegend aufgelegt, eine sehr sichere
Anschlagart, und zum anderen lassen es die Geländestrukturen dort
manchmal nicht anders zu. Die Bergjäger trainieren außerdem die
weiten Schüsse auch sehr intensiv und kennen in der Regel ihre
eigenen und die Leistungen ihrer Waffen.
Misst man aber im Hochgebirge mit dem Entfernungsmesser die
geschätzten Entfernungen nach, erlebt man oft Überraschungen
Als Schweißhundführer kann ich feststellen, dass die meisten
Nachsuchen schlicht durch zu riskantes Schießen verursacht werden.
Wer sich an eine vernünftige Entfernung hält und das Wild nur
breit stehend beschießt, wird kaum Nachsuchen verursachen.
Experimente wie Träger- und Tellerschüsse oder solche auf spitz
stehendes Wild, verursachen Probleme.
Bericht: Deutsche Jagdzeitung
1.Foto oben: Bild von Luis Haller Jagdrevier Algund
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