BERICHT 99: Gamspirsch

Wie die Zeit doch vergeht, schon haben wir Mittwochabend der zweiten Walliserhochjagdwoche.

Ich hab mich entschlossen das Jagdgebiet zu wechseln, so übernachtete ich ausnahmsweise einmal zu Hause.

Am Donnerstag  morgen in aller Frühe startete ich hinauf ins Nessel. Kurz vor Tagesanbruch erreichte ich den alten Stafel. Von hier aus wollte ich auf Gamspirsch gehen. Ohne das ich etwas vernommen hatte, schlossen zwei mir bekannte Waidmänner im Eilschritt zu mir auf.  Kurz wechselten wir ein paar Worte, ich erkundigte mich in welches Gebiet sie heute Jagen gehen wollten. Sie wollten in Richtung Grad pirschen, somit kamen wir uns nicht in den Weg.

Mit einem gegenseitigem Waidmannsheil trennten wir uns.

Langsam, jedoch mit wachen Sinnen pirschte ich nun den schmalen Waldweg entlang, war schon eine Weile unterwegs hatte aber keinen Anblick, plötzlich flatterten zwei Birkhühner dicht bei mir aus den Alpenrosen, fast wäre mir das Herz vor Schreck in die Hosen gerutscht, mit ausgeweiteten Schwingen glitten die aufgeschreckten Hennen Talwärts. Sekunden später herrschte wieder die morgendliche Stille.

In diesem Lärchenwald mit seinen Gletscherterrassen  halte ich mich immer gerne auf, hier ästen gerne Steinböcke sowie Gämsen.

Leise schlich ich mich zur nächsten Mulde hin, ein 5 Jähriger Steinbock äste keine 10 Meter vor mir. Ohne ihn zu stören zog ich mich zurück und machte ein Bogen um die Mulde, eine Gams warnte ganz in der Nähe, ein stattlicher Bock wechselte ohne Eile den Hang hinauf, als ob er wüsste das ihm von mir keine Gefahr drohte.

Da ich ja meinen Bock am ersten Tag erlegt hatte und unser Gamssystem je ein Bock eine Geltgais und ein Jährling erlaubte schaute ich ihm zu wie er über die nächste Kuppe verschwand.

Einen vierten Gamsabschuss konnte verdient werden, wenn ein schwacher Jährling, oder eine mindestens 13 ½ Jährige Geltgais erlegt wurde.

Mit genau diesem Vorhaben war ich gestartet.

Das Waldstück war durchpirscht, weiteren Anblick hatte nicht. So stieg ich hinauf nach Schafuläger, ein kurzer aber doch steiler Aufstieg.

Kurz vor der Anhöhe machte ich eine Verschnaufpause, wollte ich doch nicht mit zu hohen Puls einen möglichen Schuss abgeben.

Ausser zwei führende Giassen zeigte sich aber auf dem Berghang kein Wild. So plünderte ich erst einmal den Rucksack, gestärkt wollte ich nun hinauf auf den Grad um dann ins Gredetschtal hinunter zu pirschen, denn da war der ganze Hang noch im Schatten. Nach halben Aufstieg der wieder nicht weit jedoch Steil ist, guckte ich nochmals hinüber zum Gegenhang, immer noch ästen die Gamsgais, ihr Nachwuchs tollte in der Nähe über die Felsen.

Also weiter, die Oberschenkel fingen an zu brennen.30 Meter vor mir, dicht neben einem Felsbrocken meinte ich einen dunklen Fleck wahrzunehmen, mit dem Glas erkannte ich ein Gams. Den Blaser im Anschlag pirschte ich nach Rechts, ein Gamsgitz äugte zu mir. Im nächsten Augenblick stand eine Jährlingsgeiss vor diesem, so konnte ich nicht fliegen lassen. Die Gais hatte nun ebenfalls bemerkt das etwas nicht stimmte, da der Wind aber günstig war kam Verwirrung ins Trio. Die Gais flüchtete Bergabwärts der Gitz zog mit, die Jährlingsgais stand jetzt frei, die Explosion im Patronenlager zeriss die Morgenstille am Berg.

Mit dem Abschuss hatte ich mir meinen zusätzlichen Gamsabschuss erzielt.

Während dieser Hochjagd hatte ich bald Täglich Gamsböcke vor mir, jetzt da ich wieder einen erlegen konnte, hatte ich keinen Anblick mehr, so ist nun mal die Jagd, spannend und immer wieder mit Überraschungen, Waidmannsdank

 

 

                                                                                                                                 Bericht und Foto: Kari Schmid

 

 

 

nach oben