|
Der
15. August- Feiertag, regnerisch.
Heute wird sicher nicht geerntet-
zumindest keine Äpfel. Also rein in
die grüne Kluft, Rucksack und
Utensilien ins Auto und ab geht’s in
Richtung Fennberg. Nebelschwaden… na
ja. Wird sich wohl ab und zu
lichten. Auf den vereinbarten
Hochstand angekommen regnet es immer
wieder leicht, die Nebelschwaden
kommen und ziehen wieder ab. 2
Rehgeißen mit Kitz – aber sonst
nicht viel los. Gegen 11.30 Uhr
beschließen mein Begleiter und ich
erst Mal ein warmes Mittagessen
einzunehmen. Gesagt getan. Gegen
14.00 Uhr reißt der Himmel
verdächtig auf. Also wieder raus,
wir teilen uns dieses Mal auf. Es
dauert nicht lange, dass mich ein
SMS erreicht: Gams an der Salzstelle
im „Latze Tal“. Na dann nix wie hin.
Wir machen uns zu Recht zum sicheren
Ansprechen. Da ertönen unter uns
Stimmen und Gelächter vom nahe
gelegenen Klettersteig herauf. Und
tatsächlich kam eine Gruppe
Kletterer des Weges, eine „wahrhaft
bunte“ Mischung…. Und die Gams am
Salz: WEG! Wir grüßen die an uns
vorbeiziehende Menschenmenge
freundlich, werden wohl ein wenig
abschätzend betrachtet.
Wahrscheinlich haben unsere
Gesichtsausdrücke uns wohl
verraten???!!! Was solls? Auch gut.
Ziehen wir halt weiter an einen
weniger besuchten Ort. Knapp 18.00
Uhr dort angekommen packe ich erst
Mal eine Marende aus, schnitzle an
meinem Speck herum und sah nebenbei
in die Runde. Mein Begleiter“ So,
nun kannst du nicht sagen, ich hätte
dir heute keinen Gams gezeigt. Da
drüben steht er.“ Ich glase in die
besagte Richtung, sehe das Tier,
aber auch die Entfernung und die
Felsspalten ringsherum. 374 m
gemessen. Na gut. Schöner Anblick,
gesunde Erscheinung, hoch auf, aber…
Ich begann gemütlich weiter zu
essen. „Jo hosch du lei as Fressen
in Kopf? Richtesch di net bold
her?“…. So die mahnenden Worte
meines Begleiters. UPPPS! Ich war
immer noch beeindruckt von der
Entfernung und vor Allem das Bergen
des Stückes gab mir zu denken.
Immerhin war es schon bald 19.00
Uhr. Da kam plötzlich Bewegung in
das Tier. Tänzelte und sprang und
fegte den gegenüberliegenden Hang
auf und ab, verschwand hinter ein
paar Föhren und kam auf 273m immer
heran. Mein Begleiter wurde schon
sichtlich nervöser. Musste bisher
immer schmunzeln über derlei
Verhalten. Aber dieses Mal hörte ich
mich nur noch zischen: „ Ruhe!!!
Raus aus dem Stand!“ Als
Linksschützin brauchte ich sowieso
mehr Platz, und das auffällige Getue
mit Spektiv und Fernrohr lies den
Hochstand wackeln. Der Gamsbock
schaute unentwegt zu uns herüber,
als ob er beim Überlegen wär. Das
hat mich dann auch bewogen
abzudrücken. Und da lag er im Feuer,
rudelte ein Stück den Abhang
herunter. Oh Schreck, der fliegt
jetzt in die Felsenspalte!! Aber
nein. So. Erst Mal ein, zwei …
Versöhnungsschnapslen, eine
Zigarette, mit dem Blick ständig auf
das Stück gerichtet. Vom Schuss
alarmiert, die Stelle ist sehr
ausgesetzt, Margreid und Kurtinig
liegt unter unseren Füssen- begannen
unsere Handys zu vibrieren. Gut so.
Bergeaktion auch gesichert. Der
Obmann der Kurtiniger Musikkapelle
Daniel Pedrotti – ein guter Jagd
Kamerad und Freund - hat in einer
Konzertpause den Schuss vernommen.
Auf die freudige Nachricht hin hat
sich die Kapelle bereit erklärt
einen Marsch zu unseren Ehren zu
spielen.
Gegen 20.00 Uhr konnte ich dann den
Gamsbock in den Händen halten,
Brüche wurden ausgetauscht, meine
immense Freude geteilt. Unseren
Schätzungen zufolge ist das Tier 3-4
Jahre alt, wiegt aufgebrochen 27 kg.
Das alles ist aber nun relativ. Der
Bock hängt in der Kühlzelle und
wurde würdig gefeiert. |
 |