Kahlwild,
das ist ein heikles Thema in unserem
Revier. Von Mai bis Dezember versuchen
ich und einige wenige andere Jäger in
unserem Revier (leider ist das
Durchschnittsalter der Jäger ziemlich
fortgeschritten), neben anderem Wild
auch Kahlwild zu erlegen. Der Erfolg
dabei ist aber ernüchternd. Rotwild ist
in unserem Revier sowieso nicht dicht
vorhanden, die letzten Jahre konnte ich
im Durchschnitt jährlich zwischen 20 und
30 Stück zählen, fast ausschließlich
männliches! In den letzten Jahren
konnten auch einige weibliche Stücke
beobachtet werden, aber erlegt wurden
von diesen nur sehr wenige.
In diesem
Jahr, 2011, konnte ich trotz intensiver,
auf Rotwild gerichtete Jagdausübung weit
weniger Stücke Rotwild zählen, als
andere Jahre zuvor; es waren 2011 „nur“
10 Stück, zwei davon waren passende
weibliche Stücke. Ob die sinkende
Rotwildsichtung dieses Jahr nur Zufall
ist oder ob sich 2011 wirklich weniger
Rotwild in Innichen aufgehalten hat,
weiß ich nicht.
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Nun, zur Sichtung dieser zwei
Stücke, und wieso ich diese
nicht erlegen konnte:
Es war Anfang August, als ich
mit einem älteren Gastjäger im
Innerfeldtal unterwegs war, um
eine Gamsgeiß zu erlegen. Wir
waren in einem Schuttkar, und
über uns befand sich ein
Gamsrudel, es waren weit über
dreißig Stücke. Auffallend war,
dass dabei kein einziger
Gamsjahrling dabei war, nur
Geißen und Kitze. Nach
mehrstündigem ansprechen, konnte
ich noch immer keine passende
Gamsgeiß ausfindig machen,
weshalb ich mich langsam auf
anderes Gelände konzentrierte,
um vielleicht dort etwas
interessantes zu sehen. An der
gegenüberliegenden Talseite
konnte ich dann auch einen Roten
Fleck in den Latschen sehen. Mit
dem Spektiv erkannte ich den
Rücken eines Stückes Rotwild.
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So
ein Bild wird in Innichen wohl noch
viele Jahrzehnte ein Traum bleiben |
Ich
dachte, es würde sicher ein männliches
Stück sein, da ich gewohnt war, fast nur
männliche Stücke in Anblick zu bekommen.
Als das Stück dann nach kurzer Zeit aber
das Haupt aus den Latschen erhob,
erkannte ich ein Schmaltier, welches
allein äste. Die Entfernung zum Stück
betrug 850 Meter, und ein Näherkommen
war unmöglich, das Gelände wo es sich
aufhielt, ist leider Gottes unmöglich zu
bejagen. Selbst pirschen ist dort dem
unübersichtlichen Gelände wegen
unmöglich, da der Lärm in den Latschen
das Wild vergrämt bevor man es überhaupt
zu Gesicht bekommt.
Ca. eine
Woche später war ich dann am „Haunoldköpfl“
unterwegs, immer mit der Absicht,
Rotwild zu erlegen. Ich konnte Rehe und
Gämsen erblicken, aber von Rotwild war
wieder einmal nichts zu sehen, nur eine
mehrere Tage oder Wochen alte Fährte
neben einer Pfütze auf der Forststraße
konnte ich ausfindig machen. Es fing an
zu dunkeln, und ich pirschte deshalb
über den Weg talwärts, Richtung Auto. In
einem Lawinenstrich, dem sogenannten
„zweiten Kanal“, wo man vor vielen
Jahren noch ziemlich viel Fläche
einsehen konnte, aber jetzt alles
verwachsen ist, bemerkte ich plötzlich
eine Bewegung hinter einigen Sträuchern.
Plötzlich stand ein Schmaltier ca. 10
Meter vor mir, und wie vom Blitz
getroffen flüchtete es auch schon in den
Wald, bevor ich auch nur eine Hand an
den Gewehrriemen legen konnte, um die
Waffe in Anschlag zu bringen…
Während
den anderen weit über 100 Jagdgängen im
Jahr 2011, bei welchen ich sonst
allerhand Interessantes und Aufregendes
beobachten konnte, ist mir leider kein
weiteres Stück Kahlwild begegnet. Mit
der Wildkamera konnte ich allerdings vor
einigen Tagen, am 16. Dezember (!), 3
Stück Kahlwild „abblitzen“, welche in
der Nacht eine für Rehe eingerichtete
Kirrung aufgesucht hatten, und dies auch
die zwei darauffolgenden Nächte taten.
Diese zwei
Kahlwildsichtungen meinerseits blieben
2011 auch die einzigen. In Anbetracht,
dass in unserem Revier seit über zwei
Jahren (!) die Jagd auf den
Trophäenhirsch nicht erlaubt ist, da die
Abschussplankommission dies so
entschieden hat, wird es wohl auch in
absehbarer Zukunft keine aufregenden
Rotwildjagden bzw. -erzählungen über
solche geben.
Und wenn
man bedenkt, mit wie viel mehr Aufwand
(viel mehrere aktive Jäger!) die
Nachbarreviere auch nur wenige Stücke
Kahlwild erlegen konnten, sind die
Aussichten nicht rosig!
Bericht und Foto:
Fabian
FERRARI – Jagdrevier Innichen
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